|
 |
 |
|
|
Biberach Chapter #174
|
|
 |
 |
|
Sogetsu Teachers Assoziation |
|
 |
 |
|
Sogetsu-Ikebana in Kurzfassung |
 |
von Marianne Sikora-Schoeck
|
 |
|
 |
 |
 |
 |
|
 |
|
 |
|
|
Der Begriff Ikebana setzt sich zusammen aus den beiden Schriftzeichen “Ike”, d. h. Leben, lebendig und “Hana” (in der Wortzusammensetzung – bana), d. h. Blume, pflanzliches Material.
|
|
|
|
|
|
In seiner kulturhistorischen Entwicklung bedeutet der Ausdruck sinngemäß Blumen und Pflanzen zum Leben erwecken; nicht nur durch Säen, Pflanzen, Pflegen und Betrachten, sondern durch Vereinzeln, Herauslösen aus dem Verbund der Nachbarpflanzen, durch Analysieren von Besonderheiten in Form, Linie und Farbe, durch gezielte Gruppierung und Komposition im Hinblick auf eine Idee.
|
|
|
|
|
|
 |
|
|
|
|
|
|
Die japanische Sitte des Blumenarrangierens am Altar und später in der Tokonoma – der Kultnische des japanischen Wohnraumes - geht in das 6. Jahrhundert zurück. Sie erreicht einen ersten Höhepunkt im 16. Jahrhundert unter dem Einfluss der großen zenbuddhistischen Tee-Meister. Heute wird Ikebana von über 1000 Schulen in und außerhalb Japans gelehrt.
Ikenobo, Ohara und Sogetsu sind die bekanntesten Ikebana-Stilrichtungen.
|
|
|
 |
 |
|
Unter der Leitung von Sofu Teshigahara hat die Sogetsu-Schule (Gras-Mond-Schule) die modernste Stilrichtung entwickelt. Sie bietet Lernenden im Rahmen festgelegter Regeln und mit einer relativ einfachen Technik die Möglichkeit, ihre Gefühls- und Ideenwelt auszudrücken. Sie führt darüber hinaus zum abstrakten Gestalten: Ikebana – Skulptur mit Mitteln, die jedem zur Verfügung stehen, die im Garten, am Wegrand, im Wald wachsen.
|
|
|
 |
 |
|
Ikebana ist eine Art plastischer Kunst mit dem Material “Pflanze”, in seiner modernen Form auch mit nichtvegetativem Material. Es geht nicht allein um Form, Farbe und Schönheit der Anordnung, Ikebana ist Ausdruck eines geistigen Austausches zwischen Mensch, Pflanze und Kosmos. Im Gestaltendem Tun wird Versenkung und Verinnerlichung angestrebt.
|
|
|
Sämtliche heute lehrenden japanischen Schulen gehen auf die Ikenobo-Schule zurück. Die Grundregeln aller Schulen bestimmen die Proportionen von Material zu Gefäß bzw. umgekehrt und verlangen das Vorhandensein von drei Hauptlinien: Himmel – Mensch – Erde, die in festgelegten Größen und Neigungswinkeln einander zugeordnet sind.
|
|
 |
 |
|
- Ikebana ist Gestaltung durch Gliederung des freien Raumes, der sichtbar und spürbar bleiben muss. Ikebana ist also ein ästhetischer Rahmen für Leere; Dreidimensionalität ist zwingend.
- Die Regeln erziehen zu sensiblem Gespür für Proportion, dem ausgewogenen Nebeneinander von starkem und schwachem (männlichem und weiblichem / Yin und Yang) Material sowie einer hierarchischen Gruppierung der Haupt- und Nebenlinien. Ikebana soll Kontraste in ein harmonisches Gleichgewicht bringen. Harmonie entsteht also durch das Akzeptieren des in der Natur vorprogrammierten Konfliktes und seiner Ausbalancierung.
- Ein Ikebana ist immer asymmetrisch. Die Regeln führen zur Asymmetrie und setzen sie als Naturgesetz voraus. Sie ist Ausgangspunkt für die sich nie wiederholende Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten.
- Das Grundmaterial ist bereits vorgeformt im Gegensatz zu Holz oder Stein in der Bildhauerei. Die von der Natur gemachten Vorgaben zwingen immer wieder zu Neuanbindung, ihre schematische Anwendung würde zu nichtästhetischen Ergebnissen führen.
- Das Material wird auf seine wesentlichen Merkmale reduziert, es wird einer Idee “geopfert” (beschnitten, entfernt). Dieses Prinzip der Isolation dient dem Erkennen der individuellen Eigenschaft von Zweig oder Blume. Qualität steht vor Quantität, wobei Massenarrangements als Spiegelbild der Natur durchaus legitim sind.
- Genaue Naturbeobachtung ist Voraussetzung und Folge der Beschäftigung mit Ikebana. Ikebana schärft den Blick für das Detail, das Besondere, das Spiel des Zufalls in der Natur. Es lehrt damit, das Individuelle zu respektieren und den Zufall zu nutzen.
Ikebana ist Komposition und Happening zugleich - komponierte Improvisation.
- Ein Ikebana dient, in seinen Anfängen ausschließlich am Altar zur Verehrung der Gottheit, später als Akzent in der schlichten Ruhe des Teeraumes oder als Begleitung eines Rollbildes in der Kultnische des japanischen Hauses. Der Arrangierende dient mit seiner Komposition immer einer Idee, einer Stimmung, einem Anlass. Deshalb ist eine moderne Komposition neben einer abstrakten Grafik eine logische Weiterentwicklung der alten Ikebanafunktion.
- Der Weg also, das Tun ist die Hauptsache, nicht das Ziel bzw. nicht ein dekorativer Effekt.
- Ein Ikebana, oft von großer künstlerischer Qualität, ist eine vergängliche Schöpfung: Blumen verblühen, Material welkt. Ikebana lehrt Einsicht in die Bedeutung des Loslassens.
- Ikebana fördert die Kreativität. Die Beschäftigung mit Ikebana ist deshalb ein idealer Einstieg schöpferisch tätig zu werden, denn die Natur in ihrem sich nie wiederholenden Formenspiel gibt alle Hilfsmittel, sich im Umgang mit Form, Farbe, Linie und Masse auseinander zu setzen. Ikebana könnte die Basis der schulischen Kunsterziehung sein.
- Das Lehrer/Schülerverhältnis verlangt oder fördert Unterordnung unter den Meister. Die Lehrform des wiederholten Kopierens dient als Erziehung zur Demut, Selbstverleugnung (Entleerung) und ist Voraussetzung für schließlich ureigenste Ergebnisse.
- Der ursprünglich religiöse Hintergrund, die Dreieinigkeit von Himmel, Mensch und Erde, von Begleitern in hierarchischer Zuordnung, der Kosmogonie eines Ikebanas und der Darstellung des Weltalls in der Nussschale ist heute weitgehend verloren gegangen. Die Ergebnisse haben durch diesen Verlust der ursprünglichen Bedeutung nicht gelitten, sondern sogar eine neue Dynamik erhalten.
- Die Interpretation durch Nicht-Japaner ist ebenso gültig wie die japanische Wiedergabe, z. B. von europäischer klassischer Musik. Im japanischen Denken ist die Verinnerlichung von Inhalten über das Beherrschen einer Technik selbstverständlich.
- Japanische Schlagkraft, Anpassungsfähigkeit und Kreativität lassen sich durch die Grundprinzipien des Ikebanas verstehen: Strenge Gesetze, deren Anwendung – bei stets unterschiedlichem pflanzlichen Material – eingehalten, fallweise aber geändert und angepasst werden müssen - ein ideales Flexibilitätstraining schlechthin.
|
|
|
 |
 |
 |
 |
|
Die Sogetsu-Schule wurde 1927 von Sofu Teshigahara gegründet. Der Meister, der 1979 verstarb, machte sich zeitgenössische Kunstauffassungen zu eigen und verband sie mit den traditionellen Überlieferungen des Ikebana. Als Leiterin der Schule folgte ihm seine Tochter Kasumi und nach ihrem frühen Tod 1980 sein Sohn Hiroshi Teshigahara. Er war bereits ein bekannter Filmregisseur und Keramiker, der neue Impulse brachte, wodurch die Sogetsu-Schule auch in der westlichen Welt große Anerkennung erwarb. Seit seinem Tode 2001 leitet seine Tochter Akane Teshigahara die Geschicke der Schule.
|
|
|
Die Sogetsu-Akademie bietet über ihre Lehrer weltweit, nach einem klar strukturierten Unterrichtsprogramm, Kurse an, die über vier Basisdiplome zur Lehrbefähigung führen. Der Unterricht folgt vier klarstrukturierten und bebilderten Lehrbüchern. Er wird ausschließlich von bei der Sogetsu-Schule akkreditierten Lehrkräften (Blumenmeister) durchgeführt.
|
|
Sofu Teshigahara sagte, |
|
Ikebana kann von jedem, zu jeder Zeit, an jedem Ort, mit jedem Material und jedem Gefäß ausgeübt werden. |
|
|
|
Start
|
|
|
|